aktuelle News

27.02.2012

Auch die Euskirchener Nachkriegs-Volkshochschule (1947) beteiligt sich an der Aufarbeitung der jüngsten Geschichte

Am 1. Januar 2014 werden die Volkshochschulen der Stadt Euskirchen und des Kreises Euskirchen fusionieren. Wer sich mit der Methodik und der derzeitigen Didaktik dieser beiden Institutionen befasst, wird einen Unterschied zur Situation des Jahres 1947 erkennen. Damals ging es ganz besonders um das Bemühen, „ wieder den Anschluss an die große Kultur unseres Volkes und des Abendlandes zu finden.“ Die avisierte Umfunktionierung der Voreifeler Volkshochschulen (2014) lässt daher eine historische Anmerkung zu, und ein Text aus meinem Archiv soll dies verdeutlichen.

Auf die vielen Möglichkeiten der Vergangenheitsbewältigung durch regionale Institutionen - aber auch beispielsweise von privater Seite her – hat die vorliegende regionalhistorische Homepage häufig hingewiesen. Natürlich änderte auch die kleine Kreisstadt Euskirchen unmittelbar nach ihrer Eroberung im März 1945 die Straßennamen und stellte NS-Täter vor Gericht (Vgl. „Reichskristallnacht“), bemühte sich aber besonders um demokratische Strukturen in der Verwaltung und anderen Institutionen. Die Definition für diese seit 1945 notwendige „Vergangenheitsbewältigung“ beinhaltet im Sinne des Politologen Helmut König „die Gesamtheit jener Handlungen und jenes Wissens, mit der sich die jeweiligen neuen demokratischen Systeme zu ihren nichtdemokratischen Vorgängerstaaten verhalten“.

In dieser Hinsicht wurde auch die junge Volkshochschule des Voreifel-Zentrums tätig. Die „Amtlichen Mitteilungen für Euskirchen“ vom 22. August 1947 publizieren den Aufruf des damaligen VHS-Leiters Paul Konertz, dass die Bevölkerung an den Kursen zur „weltanschaulichen Ausrichtung“ und zur „Überwindung des Ungeistes vergangener Jahre“ teilnehmen solle. Das diesbezügliche Motto im Jahre 1947 lautete: „Hilf Dir selbst! Das ist die Parole“!

Auch die Euskirchener VHS im Jahre 1947 war ernsthaft bemüht, den „Ungeist vergangener Jahre zu überwinden“:

 

test

23.02.2012

Vortrag in Remagen: Esther Bejarano – vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Künstlerin für den Frieden

testEs leben nur noch wenige Mitglieder des Mädchenorchesters von Auschwitz. Zu ihnen gehört zum Beispiel die aus Breslau stammende Anita Lasker-Wallfisch, die ich persönlich im Jahre 2007 in Bergen-Belsen kennenlernen durfte.

Als bekannt wurde, dass sie Cello spielen kann, wurde sie Mitglied im Häftlingsorchester unter Alma Rosé, dem auch Fania Fénelon (Piano und Gesang) und Esther Béjarano (Akkordeon) angehörten. Es war die Aufgabe des Mädchenorchesters in Auschwitz-Birkenau, am Tor zu stehen und zu spielen, morgens, wenn die Arbeitskolonnen ausmarschierten, und abends, wenn sie ins Lager zurückkamen.

Esther Béjarano, die Anfang März über ihr Schicksal berichten wird, erinnert sich:

 „Ich hatte nie zuvor ein Akkordeon in der Hand. Ich musste alles versuchen, um nicht mehr Steine schleppen zu müssen. Wir alle hatten ein schlechtes Gewissen, weil wir sozusagen halfen, dass die Gefangenen im Gleichschritt marsch, marsch, nach unserer Musik marschieren mussten. Die SS befahl uns, am Tor zu stehen und zu spielen, wenn neue Transporte ankamen … Die Menschen winkten uns zu, sie dachten sicher, wo die Musik spielt, kann es ja nicht so schlimm sein.“

Gerne weise ich nun auf meiner regionalhistorischen Homepage darauf hin, dass im benachbarten Remagen die politisch sehr aktive Esther Béjarano und deren Co-Autorin Birgit Gärtner am 4. März 2012 aus dem gemeinsam erstellten Buch „Wir leben trotzdem“ lesen werden. Nachdem faschistische Tendenzen in Deutschland zunahmen, intensivierte Esther Béjarano ihre politische Arbeit, testgründete mit Peter Gingold das Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik e. V. Bis heute steht sie als Künstlerin mit der Gruppe „Coincidence gegen Faschismus“ (Vgl. YouTube), gegen das Vergessen und gegen Krieg auf der Bühne. Es wird ersichtlich, wie sich die Künstlerin zur politischen Friedensaktivistin entwickelte.

Schon seit vielen Jahren berichtet Esther Bejarano auf Veranstaltungen und in Schulen über ihr Leben und Überleben in der Hölle von Auschwitz. Energisch ruft sie zum Widerstand gegen die Neonazis auf. Sie ist Mitbegründerin und Vorsitzende des Auschwitz-Komitees und Trägerin der Karl-von-Ossietzky-Medaille. Gemeinsam mit der Journalistin Birgit Gärtner hat sie das Buch: „Wir leben trotzdem“ geschrieben. Die Lesung findet statt am Sonntag, dem 4. März 2012, um16.30 Uhr, im Pfarr- und Jugendheim Remagen, Kirchstraße 30a.

20.02.2012

Seit 1840 Karneval in Euskirchen

Der heutige Rosenmontag und besonders die Gründungsdaten der Kölner Karnevalsgesellschaften lassen  nach dem offiziellen Beginn des Euskirchener Karnevals  fragen. Die Antwort:  spätestens seit 1840 ist er auch hier in der Voreifel nachweisbar. In einem Online-Artikel publizierte ich bereits diesbezügliche, regionalhistorische Einzelheiten:

 

test   test

 

Seit Jahrhunderten feiert man in der Voreifel Karneval;  früher allerdings anders als heute. Oft musste eine ganze Reihe von Vorschriften beim närrischen Treiben beachtet werden. Zu den ersten Quellen über den Karneval in hiesigen Breiten gehört die Verordnung der Stadt Münstereifel: „Einstellung der vorhandenen Mommereyen" (1651). Im Bad Münstereifeler Stadtarchiv liegen Unterlagen, die es beweisen: Damals empfanden die Stadtgewaltigen den Karneval als „gegen den göttlichen Befehl gerichtet". Alle, die sich trotzdem verkleideten, wurden als Gotteslästerer betrachtet, „alldiweil Gott allmächtig dadurch hoch erzürnt".

Unter der Überschrift „Hanswürste" geben den Ton an – was erlaubt ist, bestimmt die Polizei“ wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Euskirchen der rheinische Karneval gefeiert.

test   test

 

Seit 1882 galt sogar eine vom Bürgermeister Selbach für die Kreisstadt erlassene Verordnung, die in acht Paragraphen den Karneval reglementierte. Diese konzentrierte sich besonders auf „Verkleidungen, die gegen die Religion und guten Sitten verstießen" oder irgendwie beleidigend wirkten. Das Tragen von Gesichtsmasken war zudem bei hoher Strafe nicht gestattet. Was damals freizügig war, entschied der Vertreter der Obrigkeit. Wie hieß es doch seit 1882 im Paragraphen 5: „Ob eine Person als maskiert zu betrachten sei, ist im einzelnen Falle von dem Dienst tuenden Polizeibeamten zu entscheiden."

Die beiden Titelseiten der „Euskirchener Zeitung“  sind vom 27. Febr. 1892 bzw. 24. Febr. 1900.  Die Karnevalsgesellschaft „Uhzvögel“ lädt am 14. Febr. 1874 im „Intelligenzblatt“ ein. Auf die Stotzheimer Aktivitäten  wird in der „Euskirchener Zeitung“ vom 27. Febr. 1892 hingewiesen.

Ein vollständiger Artikel kann bei Abruf des folgenden Links gelesen werden:

14.02.2012

Weiterhin erfolgreiches Standardwerk über die NS-Ordensburg Vogelsang: „Ordensburg Vogelsang 1934-1945 – Erziehung zur politischen Führung im Dritten Reich“

Im Jahre 1986 erschien das Sachbuch Ordensburg Vogelsang 1934-1945 – Erziehung zur politischen Führung im Dritten Reich und stellte erstmals die Geschichte sowie Methodik und Didaktik dieser nationalsozialistischen Elite-Institution vor. Die Startauflage lag damals bei 4.000 Exemplaren. Wegen des weiterhin großen Erfolges konnte der Aachener Helios-Verlag im Jahre 2010 bereits die  6. Auflage des Standardwerkes publizieren, das die rassefeindliche Ausrichtung fanatischer „Junker“ im 3. Reich nachwies. Es wird erkennbar, wie das Terrorsystem des 3. Reiches und die Verfolgung von Minderheiten systematisch vorbereitet wurde.

Das Buch erwies sich als die bisher erfolgreichste Publikation zur Thematik der „NS-Ordensburgen“, und die 7. Auflage wird vorbereitet. Weiterhin ist die Dokumentation im seriösen Buchhandel, beim Verlag oder bei Amazon für 18,90 EUR zu erwerben.

 

test

 

Neben weiteren Beiträgen – auch auf dieser Website –konnte ich auch im Jahre 2008 die Dokumentation Vogelsang – Geschichte der ehemaligen NS-Ordensburg und im Jahre 2009 den lexikalischen Beitrag Ordensburg Vogelsang 1934 – 1945, als Beitrag zum DEUTSCHLAND ARCHIV – DRITTES REICH (Dokumente) publizieren. Dieser erschien im Archiv Verlag Braunschweig, Verlags-Art.-Nr.1202900.

Leseproben aus der 6. Auflage des o.a. Standardwerks „Ordensburg Vogelsang 1934-1945. – Erziehung zur politische Führung im Dritten Reich“ sind beim Helios-Verlag Aachen online abrufbar. Das Vorwort des Verlegers beinhaltet weitere Details zum Erfolg des Buches.

 

Weitere Informationen zur 6. Auflage:

Vorwort des Verlegers zur 6. Auflage

Detailliertes Inhaltsverzeichnis

Englische Vorstellung der Dokumentation

Deutsche Vorstellung der Dokumentation

 

Arntz, Hans-Dieter:

Ordensburg Vogelsang 1934 – 1945 – Erziehung zur politischen Führung im Dritten Reich


6. Auflage, 254 Seiten, Paperback, 15,5 x 22 cm,

230 Fotos und Dokumente
23 x 28 cm; ISBN 978-3-86933-018-1; 18,90 €

Helios-Verlag, Karl-Heinz Pröhuber
Brückstr. 48, 52080 Aachen, Tel.: 0241-555426
E-Mail: helios-verlag@t-online
Helios Verlag

09.02.2012

Eine regionalhistorische Erinnerung an den Altkreis Euskirchen

Das Titelblatt der „Euskirchener Zeitung“ vom 9. Februar 1898 erinnert an die bisherige Geschichte des Kreises Euskirchen, der heute an vier Kreise in Nordrhein-Westfalen, drei Landkreise in Rheinland-Pfalz sowie an das Königreich Belgien grenzt. Die Gesamtlänge der Kreisgrenze beträgt 290 km.

 

 

Dieses Gebiet unterscheidet sich vom Altkreis Euskirchen, dessen Beginn in das Jahr 1816 zurückführt. Am 1. Mai 1816 entstand er als Kreis Lechenich und gehörte zum Regierungsbezirk Cöln, mit dem er zunächst der preußischen Provinz Jülich-Kleve-Berg und ab 1822 der Rheinprovinz zugeordnet war. Am 17. Februar 1827 erfolgte die Umbenennung in „Kreis Euskirchen“, und das Landratsamt wurde von Lechenich nach Euskirchen verlegt. Am 1. Oktober 1932 wurden aus dem Kreis Rheinbach einige Gemeinden in den Kreis Euskirchen eingegliedert.

Das lobreiche Titelblatt mit einem recht persönlich gehaltenen Inhalt preist überschwänglich das 25-jährige Amtsjubiläum des „Königlichen Landraths des Kreises Euskirchen, Geheimer Regierungs-Rath Johann Hubert Joseph Freiherr von Ayx“ (1873-1898). In der Zeit von 1876 bis 1906 hatte er sein Amt als offizieller Landrat des Kreises Euskirchen vorbildlich ausgeübt. Freiherr von Ayx (*1838 in Münstereifel, † 1909 auf Burg Zievel) wurde am 7. Januar 1898 – aus Anlass seines 25jährigen Dienstjubiläums zum Ehrenbürger der Stadt Euskirchen ernannt. Die Bevölkerung der Kreisstadt ehrte ihn mit einem Fackelzug durch die Stadt und der Ehrenbürgerschaft.

 

 

1891 wurde das Landratsamt auf der Kölnerstraße errichtet, ein Prunkbau, dessen Fassade im deutschen Renaissancestil gehalten war. Über dem Haupteingang war der Preußische Adler eingemeißelt, am Giebel befanden sich die Wappen der drei im Kreis gelegenen Städte Euskirchen, Lechenich und Zülpich. Am östlichen Eingang zierte das Freiherrlich von Ayx'sche Wappenschild Johann Hubert Joseph Freiherr von Ayx war Ritter des roten Adlerordens II. Klasse mit Eichenlaub, des Kronenordens II. Klasse und anderer Orden. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Euskirchener Friedhof. (Foto Arntz)

07.02.2012

Judenverfolgung und jüdische Kultur im Ahrgebiet

test

Das neue Veranstaltungsprogramm der „Rathaus-Kultur Bad Neuenahr-Ahrweiler 2012“ steht unter dem Gesamtthema: Themenjahr „Stolpersteine“ – Judenverfolgung und jüdische Kultur. In diesem Zusammenhang wird an die Judenverfolgung und jüdische Kultur des Ahrgebietes erinnert. Besonders die Ausstellung „Entrechtet – Deportiert – Ermordet“ (ab 16. März) sowie die erstmalige Verlegung von Stolpersteinen am 19. April durch den bekannten Künstler Gunter Demnig stehen im Vordergrund. Anzumerken ist weiterhin, dass zurzeit die Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler das Schicksal der 60 jüdischen Einwohner aufarbeitet. Hierbei hilft der Bürgerverein „Ehemalige Synagoge Ahrweiler“ in Kooperation mit dem Stadtarchiv und unter Mithilfe des Kreisarchivs.

Im Rahmen eines großen kulturellen Rahmenprogramms gibt es auch Führungen über die jüdischen Friedhöfe von Ahrweiler, Dernau und Bad Neuenahr, einen Vortrag über die Bedeutung der einstigen Festung Masada (23. August), eine Einführung in die Tradition und Riten des Laubhüttenfestes oder eine Exkursion zum jüdischen Ritualbad (Mikwe) in testAndernach (13.Oktober). Über die Details zu den jeweiligen Veranstaltungen informiert ebenfalls der Bürgerverein Synagoge e.V., der auch die diesbezüglichen Vorträge, Lesungen, Exkursionen und musikalischen Ereignisse initiiert hat.

Im Herbst kann sich die Bevölkerung mit dem „Rechtsextremismus im Alltag“ auseinandersetzen. In Kooperation mit der Polizeidirektion Mayen befasst sich ein Vortrag - in Verbindung mit einer Diskussion - intensiv mit dem nachgewiesenen Erstkontakt Jugendlicher zur rechten Szene.

Da die Stadtverwaltung die Bürger zur historischen Mitarbeit auffordern möchte, lädt sie am 11. September in das Stadtarchiv ein, um sich mit den Nutzungsmöglichkeiten vertraut zu machen. Hier hat man die Gelegenheit, interessante Dokumente aus der Geschichte der jüdischen Gemeinden in Ahrweiler und Bad Neuenahr einzusehen.

Folgende Online-Beiträge über das Judentum im Ahrgebiet erschienen bereits auf meiner regionalhistorischen Homepage:

LINKS
02.02.2012

Historische Anmerkung zum „latenten Antisemitismus“ in Deutschland

Die jüngsten Ereignisse in Deutschland und spezielle Untersuchungen beweisen, dass nicht nur latenter, sondern offenbar auch inzwischen wieder manifestierter Antisemitismus feststellbar ist. Angeblich sollen 20% der Bevölkerung keine Vorbehalte mehr haben, diesbezüglich aggressive Meinungen zu äußern. Diese Feststellung sollte zum Nachdenken Anlass geben!

Auch die Regionalhistorie kann sich dieses Eindrucks nicht erwehren. Selbst wenn man sich mit verhältnismäßig „harmlosen“ Sachverhalten befasst, entsteht der Eindruck, als ob „Fremdenfeindlichkeit“ oder gar latenter Antisemitismus  ein Teil des kollektiven Unbewussten ist, wie es der Psychologe Carl Gustav Jung bezeichnen würde. Auf dieser vorliegenden regionalhistorischen Homepage habe ich den latenten Antisemitismus mehrfach thematisiert. Vor Jahren befasste ich mich zum Beispiel mit sprachlichen Aspekten, mit der Eifel-spezifischen Idiomatik, dem Dialekt und Platt. Hier sammelte ich Redensarten, die sich – zumindest bis in die Nachkriegszeit hinein – in oft diskriminierender Art mit dem „Judentum“ befassten. Vgl.: Jüdisches im Dialekt und Platt der Voreifel und Eifel – Aufarbeitung der Vergangenheit durch Erinnerung an sprachliche Relikte.

 

reiche Juden

 

Ende der 1970-er Jahre zeigte mir Dr. Zippelius, der damalige Direktor des Freilichtmuseums Kommern, mehrere Ansichtskarten und Kaffeetassen aus der Kaiserzeit, die mit provozierenden, judenfeindlichen Bildern und Inschriften versehen waren. Da rühmte sich die Nordsee-Insel Borkum mit dem Hinweis, Juden keinen Sommerurlaub gewähren zu wollen. Auch in den damals bekannten tschechischen Kurorten Marienbad oder Karlsbad propagierte man die „Vertreibung jüdischer Gäste“, die meist aus Deutschland kamen.

Die diesbezügliche Entwicklung und die in den 1930-er Jahren einsetzende Verunglimpfung von Juden ist bekannt. Das begann mit den Verboten, sich auf „arische“ Bänke zu setzen, nicht mehr ins Schwimmbad zu gehen etc.. Prof. Joseph Walk befasste sich in seinem Buch über das „Sonderrecht für die Juden im NS-Staat“ mit der Fortsetzung dieser Formen des Antisemitismus.

reiche JudenWie es jüdischen Gästen, aber auch jüdischen Hoteliers in der NS-Zeit erging, schildert die in Sinzig lebende Journalistin Hildegard Ginzler  M.A. , deren exemplarischen Beitrag ich auf meiner regionalhistorischen Homepage vor einigen Jahren publizierte. Vgl. Vom Überlebenskampf der Neuenahrer Jüdin Ruth Preiss nach 1933: „Hoffnung darauf, dass es mal wieder besser wird“. Das beigefügte Foto (Copyright H. Ginzler) zeigt Hotel-Angestellte und die Besitzer des Hotels Meyer in Bad Neuenahr. Unter der Überschrift „Jüdische Hotels in Bad Neuenahr“ referiert Hans-Jürgen Ritter hierüber am 13. Juni 2012 im „Haus der Familie“. In der Ankündigung heißt es:

Während der Blütezeit des Heilbades Neuenahr um 1900 siedelten sich auch mehrere jüdische Hotelbetreiber dort an. Dem jüdischen Badegast boten sie koschere Küche an. Zu Beginn der nationalsozialistischen Zeit konnten diese Hotels trotz zahlreicher staatlicher Repressalien zunächst ihren Betrieb aufrecht erhalten. Spätestens nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938, in der neben der Synagoge auch die jüdischen Hotels in Bad Neuenahr erheblichen Schaden nahmen, war den jüdischen Hoteliers der Weiterbetrieb jedoch nicht mehr möglich.

27.01.2012

27. Januar 1945: Ruth Siegler geb. Scheuer erinnert sich an Auschwitz

test

Der 27. Januar ist seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag und gilt seitdem als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Er erinnert an die Befreiung des Stammlagers Auschwitz und Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 durch die sowjetischen Truppen.

Die Auschwitz-Überlebende Ruth Scheuer Siegler aus Sinzenich/bei Zülpich wird besonders heute an ihre schreckliche Vergangenheit erinnert: an die Judenverfolgung in ihrer Voreifeler Heimat, an ihre Flucht in die Niederlande, das Grauen in Auschwitz-Birkenau und an ihre spätere Rettung. Mit ihrer Schwester Ilse konnte sie das größte deutsche Vernichtungslager, das 1941 in der Nähe des Stammlagers gebaut worden war, überleben. Auf dieser regionalhistorischen Homepage publizierte ich bereits drei Berichte über Ruth und ihr Schicksal:

 

 

testIn ihrem neulich erschienenen Buch My Father`s Blessing schildert sie ein Erlebnis, das sie immer vor Augen hat: den Abschied von ihrem Vater, Jakob Scheuer ( * 14. Oktober 1887 in Sinzenich, † 16. Mai 1944, Auschwitz). Auf Seite 67 heißt es:

am flag br flag

One afternoon a few weeks after our arrival at Birkenau, Ilse and I happened to see our father. There was only a mound of dirt separating the men from the women within the same Compound. Papa gave us the address of cousins in America (Frieda Erman in Omaha, who was his niece) and some papers that said they had money for us in America. Ilse put the paper in her hair to hide it. Our father said, "You two are young, maybe you will survive." Papa then raised his hands towards our heads, and, his voice choking with emotion, recited traditional Hebrew prayers to bless his children just as he had on countless Sabbaths in our home in Sinzenich:

Ye'simech Elohim ke-Sarah, Rivka, Ra-chel ve-Lay'ah. Ye'varech'echa Adonoy ve'yish'merecha. Ya'ir Adonoy panav eilecha viy-chuneka. Yisa Adonoy panav eilecha, ve'yasim lecha shalom.

(Translation: May G-d make you like Sarah, Rebecca, Rachel and Leah. May G-d bless you and watch over you. May G-d shine His face toward you and show you favor. May G-d be favorably disposed toward you and grant you peace).

We quickly said our goodbyes and went back to our barrack. That was the last time I ever saw my father.

21.01.2012

Juden im ehemaligen Landkreis Erkelenz

Die Thematik „Juden im deutschen, belgischen und niederländischen Grenzgebiet“ unterscheidet sich durchaus von den üblichen regionalbezogenen Darstellungen. Grundsätzlich beweist nämlich die jüdische Geschichte, dass Mobilität, Standortpräferenz und Sesshaftigkeit oft von den politischen Gegebenheiten abhingen; und diesbezüglich sind Grenzgebiete kein Garant für das ungestörte Bestehen einer jüdischen Gemeinde. Mein Buch Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischen Grenzgebiet beweist dies für die Zeit des Nationalsozialismus.

 

Otto Pankok   Otto Pankok

 

Der Historiker Hubert Rütten hat sich nun ausgiebig mit dem „Jüdischen Leben im ehemaligen Landkreis Erkelenz“ befasst und detailliert „Lebensspuren und Spurensuche“ zum Inhalt seines 400-seitigen Buches gemacht. Mehr als 1.600 Fußnoten und 276 Abbildungen, weiterhin Landkarten, 91 Personenportraits und 72 Zeitungsausschnitte machen eine bemerkenswerte Dokumentation aus, die vor einiger Zeit als Band 22 der Schriftenreihe des Heimatvereins der Erkelenzer Lande e.V. erschien. Es ist auch beim Stadtarchiv Erkelenz zu erwerben. Gerne weist meine regionalhistorische Homepage auf dieses beachtenswerte Werk hin, das seinen besonderen Wert auch in den vielen Interviews und Korrespondenzen hat.

Der versierte Autor fächert sein Buch in zwei Teile auf. Der erste Teil gibt einen historischen Überblick, beginnend vom Mittelalter über die Frühe Neuzeit bis zum Schwerpunkt im 19. und 20. Jahrhundert. Erzählt wird die Geschichte der jüdischen Gemeinden von Schwanenberg und Erkelenz. Der zweite Teil widmet sich den Familien- und Einzelschicksalen. Über 800 Juden und Jüdinnen aus dem Zeitraum zwischen 1800 und 1945 werden in Biographien vorgestellt. Untersuchungsraum ist der gesamte ehemalige Landkreis Erkelenz, alle Ort jüdischen Lebens aus den heutigen Gemeinden Erkelenz, Wegberg und Hückelhoven werden vorgestellt.

 

Otto Pankok   Otto Pankok Portrait

 

Eine Gruppenaufnahme zeigt die jüdische Kaufmannsfamilie Weinberg aus Erkelenz: Friederike Weinberg geb. Weyl mit Sohn Adolph Weinberg (nach dem Krieg Rechtsanwalt in Düsseldorf), Tochter Helene Alsberg, Schwiegersohn Alfred Alsberg aus Wuppertal-Elberfeld und Schwiegertochter Johanna Weinberg geb. Rosenberg sowie die Enkelkinder. Unter ihnen ist Paul Alsberg, der spätere Leiter des Staatsarchivs in Israel.

Ein anderes Foto (Seite 240) zeigt den später bekannten jüdischen Rechtsanwalt Adolph Weinberg (1900 – 1967) und die Abschlussklasse des Progymnasiums (2.v.l.sitzend). Sein Klassenkamerad war Joseph Emonds (3.v.l. stehend), der später als „Judenretter“ bekannt wurde und auch auf meiner vorliegenden regionalhistorischen Homepage – im Zusammenhang mit dem Künstler Otto Pankok - mehrfach gewürdigt wurde. In diesem Zusammenhang hat das Buch des verdienstvollen Historikers Hubert Rütten auch für die Voreifel eine Bedeutung.

15.01.2012

 

Eifeljahrbuch

 

Unter der Überschrift „Der Maler Otto Pankok als Lebensretter im Dritten Reich – Ein Beitrag zur Judenverfolgung in der Eifel“ publizierte ich im Eifeljahrbuch 2012 (S. 71-81) einen neuen Beitrag.

Es ist eine Tatsache, dass viele Künstler im Dritten Reich diskriminiert, verfemt oder verfolgt wurden. Zu ihnen gehörte der Maler, Graphiker und Bildhauer Otto Pankok (1893 – 1966), der seit der Nachkriegszeit auch zu den „Landschaftsmalern der Eifel“ gezählt wird. Als ich vor einigen Jahrzehnten erstmals über diesen Künstler recherchierte, war sein Bezug zur Eifel noch nicht so offenbar, und sein diesbezügliches Schaffen resultierte hauptsächlich aus den Eindrücken der Zeit 1941/42 bis 1946. Der Maler stammte auch nicht aus der Region, sondern wurde in Mülheim an der Ruhr geboren, wirkte hauptsächlich in Düsseldorf sowie in der niederrheinischen Region und starb 1966 in Wesel.

Aufgrund dauernder Überwachung durch die Gestapo und eines offiziellen Arbeitsverbotes flüchtete Otto Pankok mit seiner Frau in die Eifel. In dieser Abgeschiedenheit bewies er sein kollegiales Verhältnis zu ebenfalls verfolgten Künstlern und war an der Rettung einer Jüdin, Brunhilde (Hilde) Barz geb. Stein, beteiligt. Zurzeit überprüft die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, ob Otto Pankok posthum mit dem Ehrentitel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet werden kann.

Meine ersten Recherchen gehen auf das Ende der 1980er Jahre zurück und wurden in meinem Dokumentationsband Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischem Grenzgebiet (S. 706-712) veröffentlicht. Schon damals konzentrierte sich die Darstellung nicht so sehr auf die künstlerische Arbeit von Otto Pankok, sondern eher auf die menschliche Leistung eines Verfemten, der dennoch in der Lage war, seinen Malerfreund Mathias Barz und dessen jüdische Ehefrau zu retten. Am Beispiel der Regionalhistorie für die Eifel und Voreifel wollte ich darstellen, wie die im Rheinland wirkenden Maler Otto Pankok (1893-1966) und Mathias Barz (1895-1982) als Vertreter des expressiven Realismus der Verfolgung der Nationalsozialisten ausgesetzt waren und in der Eifel überleben konnten.

 

Otto Pankok   Otto Pankok Portrait

 

 Wie eng der Zusammenhang zwischen Politik und Kunst wie auch „entartete Kunst“ und „Judenverfolgung“ werden konnte, sollte anhand vieler Details ersichtlich werden. Der vollständige Artikel erscheint nun auch auf dieser regionalhistorischen Homepage und kann bei Abruf des folgenden Links gelesen werden.

07.01.2012

Kölle Alaaf unterm Hakenkreuz

Karnevalsprinz

Es dürfte jedem bekannt sein, dass Köln seit dem 19. Jahrhundert die Hochburg des rheinischen Karnevals ist und schon deshalb für seine Bewohner eine besondere Bedeutung hat. Auch in den nächsten Wochen ist wieder festzustellen, dass der Fasteleer bzw. der Fastelovend eine besondere Bedeutung für den Wirtschafts- und Tourismussektor hat. Es lässt sich nicht leugnen, dass die Zeit des Frohsinns auch eine spezielle Form des Brauchtums bzw. ein wichtiger Aspekt der Volkskunde ist. Besonders auf die Bezeichnung „Volkstum“ legten die Nationalsozialisten großen Wert und waren daher bemüht, den Rosenmontagszug, die Saalveranstaltungen und auch die Karnevalsgesellschaften für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln beweist zurzeit in der eindrucksvollen Ausstellung Kölle Alaaf unterm Hakenkreuz, wie die damalige Auffassung vom Karneval mit der Wirklichkeit kollidierte. Auf der einen Seite stand das Bedürfnis nach totaler Kontrolle im Sinne der NS-Ideologie, auf der anderen jedoch der Wunsch nach zwangloser und unpolitischer Unterhaltung. Bis zum 4. März 2012 kann man sich in den Räumen des EL-DE-Hauses, Appellhofplatz 23-25, von diesem Gegensatz der Entwicklung des Karnevals zwischen 1933 und 1945 nicht zuletzt anhand vieler Filmdokumente, Lieder, Büttenreden und Bilder der Motivwagen überzeugen. Hierfür werben auch die beiden abgebildeten Bilder.

KarnevalswagenUm den Bezug zu der vorliegenden regionalhistorischen Homepage zu berücksichtigen, soll an dieser Stelle auch an den Euskirchener Karneval in der NS-Zeit erinnert werden. Nicht nur im Kölner Rosenmontagszug, sondern auch in der Voreifeler Kreisstadt wurden bei diesem Anlass Juden und Zigeuner verspottet und diskriminiert. Das Buch JUDAICA – Juden in der Voreifel (S. 188) weist auf eine Vorschau des Westdeutschen Beobachters ( Euskirchener Lokalausgabe vom 8. Februar 1934) hin:

„In einem der ersten Wagen sehen Sie das weltfremde, oft ärgerniserregende, fidele, anständige Zigeunervolk mit seinem gewaltigen großen Führer, Zigeunerbaron Topossimitri (...) Sie haben ebenfalls die Gelegenheit, eine Auslese edelrassiger Völker zu sehen, zusammengesucht und gefunden in Ägypten, auf dem Balkan, Flatschengitschinich und sogar im Urwald. Sie sehen ein farbenfrohes, sonnengebräuntes, lachendes, fideles Völkchen, welches seit alter Überlieferung vom Schweiß der arischen Rasse lebt...“

02.01.2012

Alles Gute für das Jahr 2012

Happy New Year

 

Für die vielen Grüße und Glückwünsche zum Neuen Jahr 2012 bedanke ich mich hiermit herzlich. Sie beweisen nicht nur die Vielfalt der inzwischen persönlichen Kontakte, sondern auch die Tatsache, dass die vorliegende regionalhistorische Homepage viele Leser im In- und Ausland hat.

Auch im neuen Jahr gelten die diesbezüglichen Schwerpunkte:

 

Geschichte des Judentums in der Eifel und Voreifel
Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg in der Eifel und Voreifel
Regionalgeschichtliche Beiträge zur Geschichte der Eifel und Voreifel

 

Das Team des Kreisarchivs Euskirchen und der Historischen Kreisbibliothek unter Leitung von Dipl. Archivarin Heike Pütz hatte den Neujahrswünschen wieder eine sinnvolle Beilage beigefügt: eine Zeitungsausgabe von vor 100 Jahren („Unterhaltungsblatt und Anzeiger für den Kreis Schleiden und Umgegend“ vom 30. Dezember 1911).

 

test

 

Das Kreisarchiv umfasst die Akten der Kreisverwaltung Euskirchen sowie die seiner Vorgänger, den Altkreisen Euskirchen und Schleiden - seit Einrichtung der Kreise im Jahr 1816. Die Historische Kreisbibliothek ist eine Spezialbibliothek zu Geschichte, Brauchtum und Naturkunde des Kreises Euskirchen und der Eifel.

« zurück zum Seitenanfang