ISIDORS BRIEFE – Über die Korrespondenz eines Juden aus Euskirchen

von Hans-Dieter Arntz
01.10.2009

Das neue Buch ISIDORS BRIEFE befasst sich mit der Korrespondenz von Isidor Mayer (1877-1943) während der Zeit 1936 und 1942/43 und beschreibt detailliert das Schicksal seiner jüdischen Familie sowie gleichzeitig den Untergang der jüdischen Gemeinde von Euskirchen. Insofern handelt es sich auch um eine Fortsetzung und Vertiefung des Buches JUDAICA – Juden in der Voreifel, das trotz drei großer Auflagen inzwischen vergriffen ist. Auf meine Dokumentationsbände zum Thema Judenverfolgung soll hingewiesen werden:

JUDAICA – Juden in der Voreifel (1983),
Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischem Grenzgebiet (1990),
„REICHSKRISTALLNACHT“ – Der Novemberpogrom 1938 auf dem Lande (2008)

 

Artikel

Bericht über eine der ersten Autorenlesungen: Kölner Stadt-Anzeiger, Eifeler Land, vom 8. November 1988


Dem nun vollständigen Buch ISIDORS BRIEFE schließen sich zahlreiche kleinere Kapitel, Anmerkungen und Ergänzungen an, die sich konkret auf die jeweiligen Brieftexte und individuellen Aussagen beziehen. Ende Oktober 2009 erscheint die Dokumentation über den Untergang der jüdischen Gemeinde von Euskirchen im Buchhandel. Hierzu ist folgendes anzumerken:

Martha Blum

Martha Blum aus Euskirchen, Vorsteherin der Synagogengemeinde Saar (1981-1988)

Im Jahre 1981 überließ mir die damalige Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar, Frau Martha Blum, etwa 120 maschinen- bzw. handgeschriebene Briefe und Postkarten, die ihr Vater in der Zeit von 1936-1942 in Euskirchen geschrieben hatte. Die letzten schriftlichen Nachrichten kamen 1943 aus Theresienstadt.

Alle waren an sie, die damals in Frankreich lebende Tochter, gerichtet und mussten die unterbrochenen Familienbeziehungen ersetzen. Die politischen Umstände und der Holocaust verhinderten eine Zusammenführung der jüdischen Familie. Martha Blum geb. Mayer wurde am 16. Oktober 1904 in Köln geboren und verstarb am 24. Februar 1990 in Saarbrücken. Sie war die Tochter von Isidor Mayer und dessen Frau Sofia geb. Wolff, die früher in Euskirchen auf der Baumstraße 29, dann in der Ursulinenstraße und Viktoriastraße und schließlich im berüchtigten „Judenhaus Baumstraße 7“ wohnten. Von hier aus wurden sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie schließlich umkamen.

Alle waren an sie, die damals in Frankreich lebende Tochter, gerichtet und mussten die unterbrochenen Familienbeziehungen ersetzen. Die politischen Umstände und der Holocaust verhinderten eine Zusammenführung der jüdischen Familie. Martha Blum geb. Mayer wurde am 16. Oktober 1904 in Köln geboren und verstarb am 24. Februar 1990 in Saarbrücken. Sie war die Tochter von Isidor Mayer und dessen Frau Sofia geb. Wolff, die früher in Euskirchen auf der Baumstraße 29, dann in der Ursulinenstraße und Viktoriastraße und schließlich im berüchtigten „Judenhaus Baumstraße 7“ wohnten. Von hier aus wurden sie nach Theresienstadt deportiert, wo sie schließlich umkamen.

Haus 1   Haus 1

 

Familie Blum

Familie Mayer (1911)

Da ein Leser über das, was kommen wird, historisch längst informiert ist, sind die jeweiligen Daten der Briefe und die vielen Anmerkungen und Fußnoten im Anhang dieses Buches nicht nur ein zeitlicher Leitfaden, sondern eine detaillierte Ergänzung. Sie spielen aber für die einleitende „dokumentarische Erzählung“ insofern eine wesentliche Rolle, weil sie nicht nur erklären, sondern auch die Reaktion des jüdischen Briefschreibers auf wichtige Ereignisse darstellen. Andererseits machen sie vielleicht andere Briefe ersetzbar, obwohl diese für die Gesamtheit der Aussagen und Schilderung durchaus wichtig sind. Isidors präzise Darstellung seines jüdischen Alltagslebens würde bei einem Abdruck aller Briefe sicher viel mehr aussagen und noch mehr betroffen machen. Sie konstatieren insgesamt nicht nur das Individuelle des Ehepaares Mayer, sondern auch den Mechanismus des Nationalsozialismus in der Kreisstadt Euskirchen und das beinahe unbekannt gebliebene Verhalten innerhalb der jüdischen Gemeinde.
Dass diese Publikation nun - in Verbindung mit einer ausführlichen kommentierten Dokumentation und weiteren Kapiteln – möglich wurde, ist somit der ehemaligen Vorsteherin der Synagogengemeinde Saar und dem engagierten Helios-Verlag Aachen  zu verdanken.

ISIDORS BRIEFE – Über die Korrespondenz eines Juden aus Euskirchen

 

Nach den umfangreichen Dokumentationen Judaica – Juden in der Voreifel (1983), Judenverfolgung und Fluchthilfe im deutsch-belgischem Grenzgebiet (1990), „REICHSKRISTALLNACHT“ – Der Novemberpogrom 1938 auf dem Lande  (2008) ist am 1. Oktober 2009 mein neues Buch ISIDORS BRIEFE – Über die Korrespondenz eines Juden aus Euskirchen (ISBN 978-3-86933-007-5) erschienen.

Isidors Briefe Cover

141 Seiten, fest gebunden mit Schutzumschlag, 98 Abbildungen.
Erschienen im Helios Verlag Aachen, Preis 19,90 EUR
ISBN-Nr. 978-3-86933-007-5

 

Hierzu teilt der Helios Verlag Aachen folgendes mit:

Isidors Briefe

„Judenhaus“, Euskirchen Baumstraße 7: Hinter der linken Fensterscheibe
auf der 1.Etage verfasste Isidor
Mayer seine Briefe.

Anders als in seinen bisherigen Dokumentationen zum Thema Nationalsozialismus und Judentum leitet der Euskirchener Autor Hans-Dieter Arntz bewusst mit seiner „dokumentarischen Erzählung“ ISIDORS BRIEFE in die eigentliche Problematik ein und verfolgt damit einen besonderen Weg, seine Leser anzusprechen. Isidor Mayer, einst wohnhaft in der Kreisstadt Euskirchen, stellt sein jüdisches Schicksal – unauffällig, bescheiden und indirekt – in Form von Briefen dar. Wegen der Kürze ist dieser Text besonders für eine Autorenlesung geeignet, macht betroffen und ruft zur Aussprache auf. Das ist wichtig.

Aber das ist nur die Einführung in ein lesenswertes Buch, das einen jüdischen Lebensweg schildert, der im Rheinland beginnt und im Ghetto von Theresienstadt endet. Vor einigen Jahren machte der inzwischen verstorbene Direktor des Leo Baeck Instituts in Jerusalem, Prof. Dr. Joseph Walk, den Vorschlag, ergänzend eine detaillierte Dokumentation über den Untergang der jüdischen Gemeinde Euskirchen zu verfassen. Sie sollte sich konkret auf die jeweiligen Textstellen des jüdischen Protagonisten beziehen, aber dennoch exemplarisch zu verstehen sein. Dies ist inzwischen geschehen. Die Kapitel „Im Ghetto von Theresienstadt“ sowie die vielen ergänzenden Beiträge und Brieftexte stellen eine inhaltliche Fortsetzung und Vertiefung der „dokumentarischen Erzählung“ dar.

Isidors BriefeSomit ist das Buch ISIDORS BRIEFE eine Einheit aus literarischer und zusätzlich historischer Darstellung, die sich exemplarisch mit der Zeit 1936 bis 1943 befasst.

Persönliche Mitteilungen aus etwa 120 Briefen und Karten, die ISIDOR an seine im Ausland lebende jüdische Tochter schrieb, lassen die jeweils menschliche, aber auch politische und soziale Situation zur Zeit der Judenverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland erkennen. Die Brieftexte werden durch längere Kapitel und Anmerkungen erläutert und somit verständlich gemacht oder gar entschlüsselt.

Obwohl Hans-Dieter Arntz nur einzelne Aspekte heraussuchen konnte, entstand doch beinahe ein Psychogramm seines unbekannt gebliebenen jüdischen „Helden" – eines „stillen Helden“, wie Prof. Joseph Walk ergänzte. „Die Aussagen sind in ihrer Schlichtheit eindringlich und geben Geschehenes deutlich und exemplarisch wieder“.

 

25.06.2015

„Isidors Briefe“ – Buchübergabe an die jüdische Gemeinde Saar in Saarbrücken

 

Anlässlich einer kleinen Vortragsreise konnte ich im Saarland mein vorletztes Buch „Isidors Briefe“ vorstellen, das die Korrespondenz von Martha Blum geb. Mayer (1904-1990) mit ihrem in Euskirchen lebenden Vater Isidor Mayer beinhaltet. Die Thematik war insofern ansprechend, weil Martha Blum vom 21.01.1981 bis 06.06.1988 als Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar fungierte und daher noch vielen Gemeindemitgliedern bekannt war. Sie starb am 24. Februar 1990 in Saarbrücken.

 

Isidors Briefe Cover   Martha Blum

 

Das Buch „ISIDORS BRIEFE“ befasst sich mit der Korrespondenz von Isidor Mayer (1877-1943) während der Zeit 1936 und 1942/43 und beschreibt exemplarisch das Schicksal seiner jüdischen Familie. Ein großer Teil der Korrespondenz ging nach Saarbrücken, wo die Tochter mit ihrem jüdischen Ehemann Ernst Blum lebte und wohin sie nach ihrer abenteuerlichen Flucht vor den Nationalsozialisten zurückkehrte. Ihre in Euskirchen lebenden Eltern kamen in Theresienstadt um. In Wellesweiler, dem Geburtsort von Ernst Blum - heute ein Stadtteil von Neunkirchen (Saar) - wurde eine Straße nach dem blinden Juristen benannt.

Die Synagogengemeinde Saar, K.d.ö.R. ist heute die einzige jüdische Gemeinde im Saarland. Sie hat ihren Sitz in Saarbrücken, Lortzingstraße, von wo aus sich der Zuständigkeitsbereich auf das gesamte Saarland erstreckt. Hier ist auch die einzige Synagoge des Bundeslandes, die als einzige von früheren 26 Synagogen und Bethäusern, die es vor der NS-Zeit im Saarland gab, übrig geblieben ist. Sie war übrigens die erste Synagoge, die nach dem Krieg in Deutschland gebaut wurde.

 

Isidors Briefe Cover

Marcel Wainstock (l.), Vertreter der Synagogengemeinde Saar, und Buchautor Hans-Dieter Arntz (r.)

Der ehemalige Geschäftsführer, Marcel Wainstock, der mit Martha Blum jahrelang zusammengearbeitet hatte, erklärte die derzeitige Situation der jüdischen Gemeinde von Saarbrücken, die sich durch den Zuzug von jüdischen Migranten aus Osteuropa strukturell stark verändert hat. Die renommierte Website von Alemannia Judaica ermöglicht einen historischen Rückblick bis zum Jahre 1321.

 

 

Druckfrische Restexemplare der inzwischen vergriffenen Auflage sind noch beim Autor persönlich zu erhalten.

Kontakt:  hans-dieter-arntz@gmx.de

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