Endlich eine Straße in Euskirchen nach Paul Coelestin Ettighoffer benannt (1980)

von Hans-Dieter Arntz
23.02.2011
Teil 3 (3) der Online-Serie:

 

Der Schriftsteller Ettighoffer in der Diskussion des Zeitgeistes: Streit um die Benennung einer Straße in Euskirchen (1980)

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1. Teil: Streit um die Benennung einer Straße in Euskirchen (1980)

2. Teil: Euskirchener Sozialdemokraten gegen berühmten Schriftsteller Ettighoffer ---Diskussion in der Euskirchener Lokalpresse --- Franzosen kritisieren unnötige „Ettighoffer-Affaire“

3. Teil: Endlich eine Straße in Euskirchen nach Paul Coelestin Ettighoffer benannt (1980)

 

Der Schriftsteller Ettighoffer in der Diskussion des Zeitgeistes: Streit um die Benennung einer Straße in Euskirchen (1980)

 

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Bereits Ende September 1980 war die Auseinandersetzung um die posthume Ehrung des Bestseller-Autors Paul Coelestin Ettighoffer vorbei. Der Euskirchener Stadtrat entschied mit den Stimmen der CDU und FDP, nach ihm eine Straße im entfernten Euskirchener Stadtteil Großbüllesheim zu benennen. Ich erinnere mich daran, wie enttäuscht Frau Eliane Ettighoffer war, da man zu diesem Dorf nie eine Beziehung hatte, während das Ehepaar fast 30 Jahre lang in Niederkastenholz sesshaft war, wo der Schriftsteller auch zeitweise stellvertretender Bürgermeister gewesen war.

 

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Regionalhistorische Bemühungen waren also erfolgreich, und die CDU als Antragsteller hatte sich durchgesetzt. Die Kölnische Rundschau, Lokalteil Euskirchen, teilte Ende September 1980 mit:

Stadt benennt Straße nach P.C. Ettighoffer
SPD-Fraktion behielt ihre ablehnende Haltung bei

kk Euskirchen. Nun steht es endgültig fest, dass eine Planstraße in Großbüllesheim nach dem Verstorbenen bekannten Schriftsteller P.C. Ettighoffer benannt wird. CDU- und FDP- Fraktion sprachen sich im Hauptausschuss des Rates der Stadt Euskirchen dafür aus, die SPD stimmte dagegen.Im Mai dieses Jahres hatte man einen entsprechenden An­trag nochmals vertagt. Dies­mal stand zur Debatte, ob eine Straße im Ortsteil Niederka­stenholz oder in Großbülles­heim nach dem Schriftsteller benannt werden sollte, dessen Todestag sich am 15. Oktober zum fünftenmal jährt.

Nachdem in der Sitzung von der Verwaltung mitgeteilt wurde, dass es in Niederkasten­holz keine entsprechende Plan­straße gibt und sich Teile der Bevölkerung und der Dorfver­schönerungsverein gegen eine Umbenennung der Konradstra­ße ausgesprochen haben, plä­dierten Dr. Theo Wattler (CDU) und Ulf Schlüter (FDP) dafür, eine Planstraße in Großbüllesheim nach Ettighoffer zu benennen.

Für die Sozialdemokraten bekräftigte Willi Maurer noch­mals die bereits im Mai for­mulierte Meinung, wonach grundsätzlich Straßen nur nach solchen Bürgern benannt wer­den sollen, die sich um Eus­kirchen verdient gemacht ha­ben und auch hier gelebt ha­ben. Ettighoffer aber habe nur kurz in Euskirchen gewohnt und sein Wirken habe außer­halb der Kreisstadt gelegen. Dem hielt Ulf Schlüter ent­gegen, dass man sehr wohl Straßen nach berühmten Leu­ten benennen solle, auch wenn deren Wirken nicht speziell Euskirchen gegolten habe.

40 Werke Ettighoffers wur­den im Laufe seines Lebens veröffentlicht. Als freier Jour­nalist nach dem Ersten Welt­krieg bei Scherl, Ullstein und Tageszeitungen tätig, hieß sein erstes großes journa­listisches Abenteuer: „Servus, Kumpel", eine Reportage über Tippelbrüder, das Heer der Millionen Obdachlosen auf Landstraße und in Unterkünf­ten, unter die er sich als sei­nesgleichen mischte. 1930 wur­de diese Reportage sein erster Bucherfolg. Fast zur gleichen Zeit erschien, auch sein erstes Kriegsbuch „Gespenster am to­ten Mann", das zu einem Best­seller wurde.  

Millionenauflage erreichte auch sein Buch „Verdun, das Große Gericht". Oft missver­standen als Nazi-Literatur, ging Ettighoffer doch nur innerer Versöhnungsverpflichtung nach, die er als Kommandeur in der Marnesschlacht des Er­sten Weltkriegs sich auferlegt hatte. Dass seine Haltung auch in Frankreich Beachtung fand, zeigte u. a. der Schutzumschlag eines als Schulbuch gedruckten Taschenbuchs aus der berühm­ten „Bibliotheque verte", auf dem es hieß: „Die Zeit ist ge­kommen, das Zeugnis eines Mannes zu hören, der in feld­grauer Uniform vor Verdun kämpfte, für den aber alle Soldaten Freunde und Feinde, Brüder im Leid waren.“

Noch in den letzten Jahren seines Lebens widerfuhr Ettighoffer eine Ehrung aus Fern­ost: Aus Korea wurde ihm ein Gastlehrstuhl an der Univer­sität in Seoul angeboten. Mit Rücksicht auf sein Alter folgte Ettighoffer dieser Berufung nicht mehr.

 

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Am 1. Oktober 1980 ergänzte die Euskirchener Lokalausgabe des Kölner Stadt-Anzeigers:

 

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Der Schriftsteller Ettighoffer in der Diskussion des Zeitgeistes: Streit um die Benennung einer Straße in Euskirchen (1980)

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1. Teil: Streit um die Benennung einer Straße in Euskirchen (1980)

2. Teil: Euskirchener Sozialdemokraten gegen berühmten Schriftsteller Ettighoffer ---Diskussion in der Euskirchener Lokalpresse --- Franzosen kritisieren unnötige „Ettighoffer-Affaire“

3. Teil: Endlich eine Straße in Euskirchen nach Paul Coelestin Ettighoffer benannt (1980)

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