Die Gedenkstätte Bergen-Belsen in der südlichen Lüneburger Heide ist seit 1945 ein internationaler Erinnerungsort, da besonders dieses Konzentrationslager zu einem Synonym für Terror, Gräuel und verhungerte Menschen in der Zeit der NS-Diktatur wurde. Zwischen 1941 und 1945 kamen hier mehr als 70.000 Menschen um. Die seit 2007 bestehende Dauerausstellung des Dokumentationszentrums präsentiert die vielschichtige Geschichte, besonders die Endphase 1944/45, von der das Buch Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen handelt.
Der Autor, Hans-Dieter Arntz aus Euskirchen, stellte vor einigen Tagen in dieser niedersächsischen Gedenkstätte seine 710 Seiten starke Dokumentation vor, die eigentlich als Biografie von Josef Weiss zu verstehen ist, der zu den bisher unbesungenen Helden dieser Zeit gehörte. Daher lautet der Untertitel: „Josef Weiss – würdig in einer unwürdigen Umgebung." Bereits das sehr detaillierte Inhaltsverzeichnis gibt einen Überblick über die Ergebnisse der 5-jährigen Forschungsarbeit.
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Im Buchladen der Gedenkstätte Bergen-Belsen (Foto: mediakustik, Brühl) |
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Dr. Thomas Rahe (l.), Autor Hans-Dieter Arntz (m.), Bürgermeister Rainer Prokop (r.) (Foto: mediakustik, Brühl) |
In Anwesenheit von Dr. Thomas Rahe, dem wissenschaftlichen und stellvertretenden Leiter Gedenkstätte, übergab der aus dem Rheinland angereiste Autor dem Bürgermeister der Stadt Bergen, Rainer Prokop, sein Werk, das schon im letzten Jahr von Außenminister Dr. Guido Westerwelle offiziell gewürdigt wurde. Letztendlich machte am 16. Mai 2013 die 15-minütige Radiosendung „Zeitzeichen" das Buch „Der letzte Judenälteste von Bergen-Belsen. Josef Weiss – würdig in einer unwürdigen Umgebung" als Fachliteratur bekannt.
Arntz konnte den Anwesenden klar machen, dass in der Befehlskette des deutschen NS-Terrors ein „Judenältester" ein Funktionshäftling war, der als exponierte Persönlichkeit einerseits williger Befehlsempfänger, aber andererseits auch Repräsentant eines „Judenrates" und Helfer der unzähligen, für den Holocaust vorgesehenen jüdischen Opfer sein konnte. Aus dieser Problematik heraus entstand ein Balanceakt, der nie ganz frei vom Vorwurf der Kollaboration und Korruption war. Dass in einem solchen Inferno Josef Weiss, ein Jude aus der Voreifel, zum Vorbild und zur Hoffnung vieler gequälter Menschen werden konnte und als „letzter Judenältester" schließlich zur charismatischen Persönlichkeit wurde, widerspricht der grundsätzlichen Diskriminierung aller Funktionshäftlinge. Das vorgelegte Material ergibt weiterhin einen eindringlichen Überblick über die eigentlich unbeschreibbaren Verbrechen im Konzentrationslager Bergen-Belsen (1944/45).
Die Buch von Hans-Dieter Arntz ist zurzeit im Gespräch, da erstmals eine "positive" Biografie eines Judenältesten vorgelegt werden konnte, die seit einigen Monaten auch im Zusammenhang mit dem Film von Claude Lanzmann – Der Letzte der Ungerechten - in Cannes diskutiert wird. Vgl. hierzu die eigene Darstellung des Autors.





